Alkoholfreier Wein ist längst mehr als eine Randerscheinung. Während der Weinumsatz im Jahr 2024 insgesamt leicht rückläufig war, hat sich der Absatz alkoholfreier Weine im Handel im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Noch machen diese nur etwas mehr als ein Prozent des in Deutschland verkauften Weins aus – doch ein Trend ist klar erkennbar. Vor allem jüngere Menschen trinken bewusster, seltener Alkohol und suchen nach hochwertigen Alternativen. Winzer experimentieren, Gastronomen erweitern ihre Karten und moderne Herstellungsverfahren wie die Vakuumdestillation sorgen für deutlich bessere Qualität und Aromatik als noch vor wenigen Jahren. Ein guter Grund also, mich mal ein bisschen intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Nach einem Monat “alkoholfrei” habe ich zum krönenden Abschluss Freunde zu einer alkoholfreien Weinprobe eingeladen. Mit dabei eine Auswahl an Rheingauer Weinen ohne Alkohol, teils gekauft, teils geschenkt bekommen. Die Auswahl ist komplett zufällig – nur Carl Jung (Rüdesheim) als spezialisiertes Weingut für Alkoholfrei wollten wir unbedingt mit dabei haben.

Die alkoholfreien Weine

In der Reihenfolge, in der wir sie probiert haben:

  1. Nullinger von Kisselbach in Erbach (gespendet)
  2. Carl Jung Cuvée Trocken
  3. Rielsing entalkoholisiert Lamm-Jung in Erbach (gespendet)
  4. Bibo Runge Riesling
  5. Allendorf Riesling
  6. Carl Jung Cuvée White
  7. Miss Sofie von Weingut Crass in Erbach
  8. Achtsam von Kloster Eberbach (gespendet)
  9. Blanc de Noir entalkoholisiert von Lamm-Jung in Erbach (gespendet)
  10. Carl Jung Herby
  11. Bibo Runge Rotwein (gespendet)

Unser “Fazit”

Wir waren überrascht darüber, wie unterschiedlich die Weine doch im Geschmack sind. Wir hatten tatsächlich alles von trocken/sauer bis sehr mild und zu süß dabei. Es stimmt also nicht, dass alle alkoholfreien Weine gleich schmecken. (Das höre ich tatsächlich manchmal.)

Der einzige Rote wurde von manchen als muffig erachtet, fanden die meisten aber gut trinkbar und dem “echten” näher als die meisten weißen.

Grundsätzlich kommt keines der Getränke (Wein darf man ja offiziell nicht dazu sagen) an den Geschmack von echtem Wein heran.

Wenn man aber “Alkoholfreie Rebensäfte” als eigene Kategorie betrachtet, sich ein bisschen durchprobiert, kommt der ein oder die andere vielleicht doch auf einen Geschmack, der gefällt.

Allerdings waren sich alle acht Tester an diesem Abend einig, dass sie sich “Alkoholfrei” nicht auf Vorrat in den Keller legen wollen, so wie sie es mit den Weinen gerne machen. Aber es schadet nicht, mal eine Flasche im Haus zu haben.

Im Sommer als Schorle ist der “Alkoholfreie” absolut zu berücksichtigen – schmeckt erfrischender als eine Weinschorle und nicht so süß wie eine Saftschorle.

Randbemerkung: Alle finden “alkoholfreien Sekt” als gut trinkbar und eine echte Alternative ähnlich wie alkoholfreies Bier. Das Projekt “alkoholfreier Stillwein” war spannend und wird zu gegebener Zeit gerne mit weiteren Sorten wiederholt.

Klarer Favorit

Klarer Favorit des Abends war der Herby von Carl Jung.

CHARAKTERISTIK
Ein feinperliger Trinkgenuss aus entalkoholisiertem Weißwein vereint mit natürlichen Extrakten aus Oregano, Thymian und einem Hauch von Ingwer. Ein spritziges Sommergetränk.

ZUTATEN
94 % entalkoholisierter Wein (Trauben, Konservierungsstoff: Sulfite, Säureregulator: Weinsäure), Saccharose, Kohlendioxid, Aroma

The Herby lässt sich gut gefkühlt wunderbars als Aperitif oder alkoholfreier Cocktail trinken. Bei dem Fazit stellt sich uns die Frage: vielleicht sind Infused Weine die Zukunft?

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